Frédéric Pajak

PAJAK
© BAK / Julien Chavaillaz

Frédéric Pajak

Schweizer Grand Prix Literatur 2021

Frédéric Pajak schreibt, malt, zeichnet und publiziert. Sein Schaffen scheint stets auszuprobieren, seinen Weg zu suchen auf dem Friedhof der Überzeugungen und sich zu verirren in den Labyrinthen einer verborgenen Geschichte der Besiegten, Vergessenen, Veralteten.

Grand Prix/ PAJAK
© BAK / Julien Chavaillaz

Mit ihm durchstreifen wir seit rund zwanzig Büchern die Randregionen der Literatur, wo sich die Etiketten der Genres lösen, wo sich seit L’immense solitude (1999) Text und Bild verweben, um eine neue, entschieden freie Form zu finden. Die Prosa geht ihren Weg und die viereckigen Bilder aus dunkler, präziser Tinte sind wie Fenster in die Vergangenheit, die ihren eigenen Blick zeigen. Frédéric Pajak schreibt «es regnet» unter eine Landschaft in gleissendem Sonnenlicht – und alles wird möglich. Die Vorstellung stürzt sich zwischen die beiden Sprachen, in die schwindelerregende Spalte, die sich mitten in der Seite öffnet.

Der (vorläufige) Höhepunkt seines Schaffens ist das grosszügige Ungewisses Manifest (edition clandestin), schön wie ein Oxymoron, intime Vielstimmigkeit in einem Gewirr aus zerstreuten Erinnerungen, stotternder Autofiktion, improvisierter Meditation und zerbröckelten Biografien. Ein unendliches Buch, das nach neun Bänden und mehreren tausend Seiten und Bildern schliesslich dennoch einen Abschluss gefunden hat. Vom Unglück Walter Benjamins zu den vielfachen Identitäten von Fernando Pessoa und zu Vincent van Goghs Verrücktheit schweift Frédéric Pajak durch alle Nuancen der Verzweiflung und lässt dabei auch seine eigene nicht aus. Zwischen Träumerei und Revolte scheint seine Einsamkeit durch die Werke von Malern, Dichterinnen und Denkern, denen er unvergessliche Porträts widmet.

Ein Schriftsteller und Zeichner, der sich in der Melancholie verliert? Vielleicht, aber in einer wundervollen Melancholie von seltener Eloquenz und souveräner Luzidität – wenn wir uns bewusst machen, was lucidus heisst: «klar, leuchtend, manifest». Als Verfasser unerbittlicher, vergänglicher Tagebücher , Gründer der Cahiers dessinés, in denen er die Künstlerinnen und Künstler publiziert, die er schätzt, und als Essayist der Unsicherheit erhellt Frédéric Pajak die Herzen der anderen und stösst seine eigenen Schatten in die schwarze Tinte zurück. Sein Werk ist eine Erleuchtung.