Mats Staub

Mats Staub
Mats Staub
© BAK/Gneborg

Mats Staub

Reisender für Erinnerungen

Schweizer Theaterpreis 2020

Mats Staub, geboren 1972 in Muri bei Bern, studierte Theaterwissenschaft, Journalistik und Religionswissenschaft in Bern, Fribourg und Berlin. Er arbeitete als Journalist für verschiedene Publikationen (1996–2001) und als Dramaturg am Theater Neumarkt in Zürich (2002–2004). Seit 2004 entwickelt er Kunstprojekte im Spannungsfeld zwischen Theater und Ausstellung, Wissenschaft und Literatur. Heute lebt und arbeitet Mats Staub sowohl in Berlin als auch an den Entwicklungsorten seiner Langzeitprojekte. Er ist viel unterwegs und die jeweiligen Projekte erweitern sich von Ort zu Ort. Für seine Audio-Installation «Meine Grosseltern | Erinnerungsbüro» führte er beispielsweise in 14 Städten mit mehr als 300 Menschen Gespräche darüber, was sie von ihren Grosseltern wissen. Zu «Meine Grosseltern / My Grandparents» entstand 2010 ein Buch. 2014 versammelte er in einer weiteren Publikation «Zehn wichtigste Ereignisse» und führte so sein web-basiertes Kunstprojekt von 1’000 wichtigsten Ereignissen in diesem anderen Medium fort.

Initialzündung für Mats Staubs künstlerischen Weg war der Workshop «Erzählt euch eine Geschichte», an dem er als Stipendiat beim Festival Theaterformen in Braunschweig und Hannover im Jahr 2000 teilnahm. Sein erstes Projekt «5000 Liebesbriefe», das 2004 am Theater Neumarkt in Zürich entstand, machte Briefe von Liebenden aus 100 Jahren und aus jedem Lebensalter hörbar. Es folgte eine russische Version in St. Petersburg und für die Wiener Festwochen 2006 wurden Liebesbriefe aus ganz Österreich gesucht, die in fünf Wiener Kaffeehäusern präsentiert wurden. Mehrere Projekte, wie das «Erinnerungsbüro» (seit 2008) oder «21 – Erinnerungen ans Erwachsenwerden» (seit 2012), begleiten Mats Staub. Innerhalb seiner Arbeiten bleibt er stets Zuhörer und Fragender – und diese Aufmerksamkeit braucht Zeit. Für sein neustes Langzeitprojekt «Death and Birth in My Life» (2019) – entstanden nach dem Tod seines Bruders 2014 – erweitert Mats Staub seine künstlerische Praxis: Für diese Videoinstallation tauschen sich zwei Menschen, von ihm begleitet, über ihre existenziellen Erfahrungen aus.

«Von Kinshasa über Santiago de Chile, Edinburgh und Wien nach Adelaide: Die künstlerischen Projekte von Mats Staub lassen uns um die ganze Welt reisen und laden dazu ein, uns Zeit zum Zuhören und Zusehen zu nehmen. Ohne simples Spektakel hat Mats Staub über Jahre hinweg eine äusserst kohärente Poesie entwickelt, die uns Porträts von intensiver Menschlichkeit zu schenken vermag. Mit raffinierter Feinheit und minutiöser formaler Strenge befassen sich seine Arbeiten mit unserer intimsten und persönlichsten Dimension und konfrontieren uns mit der Vielschichtigkeit unserer Zeit.»

Cristina Galbiati, Jurymitglied