Martin Zimmermann

Martin Zimmermann - Entete
© BAK / Charlotte Krieger

Martin Zimmermann

Skurrile Bühnenwelten

Schweizer Grand Prix Darstellende Künste / Hans-Reinhart-Ring 2021

Martin Zimmermann, geboren 1970 im Kanton Zürich, erfindet, choreografiert und inszeniert seit über 20 Jahren von Zürich aus ein visuelles Theater, das in kaum eine Schublade passt. Nach einer Lehre als Dekorationsgestalter in Zürich schloss er 1995 eine Ausbildung an der Hochschule Centre National des Arts du Cirque (CNAC) in Paris ab. Drei Jahre lang war er mit seinem Diplomstück auf Welttournee, bevor er nach acht Jahren in Frankreich 1998 in die Schweiz zurückkehrte. Seither begeistert er als Choreograf, Regisseur, Bühnenbildner und Clown, zuerst im Trio Metzger/Zimmermann/de Perrot, danach im Duo Zimmermann & de Perrot und seit einigen Jahren alleine ein breites Publikum. Drei seiner Bühnenbilder, mit Dimitri de Perrot entwickelt, wurden vom Bundesamt für Kultur mit einem Swiss Design Award ausgezeichnet (2008, 2010, 2011). Neben dem Innovationspreis 2008 der KTV ATP (heute t. Theaterschaffende Schweiz) erhielt das Duo u.a. 2009 den Schweizer Tanz- und Choreografiepreis, 2010 den Kultur Förderpreis des Kantons Zürich und 2013 einen Preis der Foundation Heinz Spoerli. Aktuell ist Martin Zimmermann Associated Artist im Maison de la Culture de Bourges / Scène Nationale und am Tanzhaus Zürich.

Bereits mit den ersten Erfolgsstücken «Gopf» (1999), «Hoi» (2001), «Janei» (2004), aber auch mit «Öper Öpis» (2008) zusammen mit den Co-Autoren oder seinem Solo «Hallo» (2014), «Der Besucher» (2016) oder «Eins Zwei Drei» (2018) schuf Martin Zimmermann einen in der Schweiz zuvor unbekannten Stil – ein visuelles und physisches Theater ohne Worte in einer Mischung aus Zirkus, Tanz, Theater und spektakulären Bühneninstallationen. Seine Werke werden weltweit in bekannten Theaterhäusern und Festivals der darstellenden Künste aufgeführt – beispielsweise in der Brooklyn Academy of Music (BAM) in New York, im Tokyo Metropolitan Theatre, im Théâtre de la Ville in Paris, in der Hong Kong City Hall, im KVS in Brüssel, in der Fondation Beyeler in Basel, am Zürcher Theater Spektakel oder im Théâtre Vidy-Lausanne. Humor, Magie und Absurdität kennzeichnen Martin Zimmermanns künstlerisches Schaffen. Er entwickelt skurrile Bühnenwelten und inszeniert darin seine Figuren und bizarren Objekte. Wenn er nicht selbst mitspielt, lässt er seine Tänzerinnen, Schauspieler und virtuose Artistinnen zu Komplizen seines tragikomischen Universums werden. Viele seiner Werke wie «Eins Zwei Drei» (2018), in dem es um Machtkämpfe innerhalb eines Clown-Trios geht, oder «Goodbye Johnny» (2020), in dem eine Randfigur im Mittelpunkt steht, touren weiterhin. «Danse Macabre» (2021) feierte im August am Zürcher Theater Spektakel Premiere. Zur Eröffnung des Tanzfestivals Steps im Frühjahr 2022 kreiert Martin Zimmermann zusammen mit Kinsun Chan und der Tanzkompanie am Theater St. Gallen das Stück «Wonderful World».

Martin Zimmermann ist ein Talent. Seine unvergleichliche Art der ‹Inszenierung› einzuordnen, ist nicht einfach: Er verfügt ohne Zweifel über die Fähigkeit, fantasievoll und präzise die verschiedenen künstlerischen Disziplinen physisches Theater, Tanz, Zirkus und szenische Installation zu durchdringen und in einen Dialog treten zu lassen. Die Themen seiner Arbeiten befassen sich mit dem menschlichen Empfinden, den Widersprüchen, den Schwächen, der Zerbrechlichkeit und der Gewalt. Die vielschichtige Komplexität der verflochtenen menschlichen Beziehungen entwirrt sich auf witzige oder absurde Art und Weise und wird entdramatisiert, das Publikum erhält eine andere Vision von Dialog und Reflexion. Er sagt: «In meiner Arbeit haben die Körper materielle Eigenschaften und die Gegenstände eine menschliche Dimension.» Dieses Zusammentreffen eröffnet zahlreiche Möglichkeiten. Die Arbeiten von Martin Zimmermann sind wie die Bilder eines Kaleidoskops, in denen aus einem einzigen Lichtstrahl viele verschiedene Formen entstehen.

Guillaume Guilherme, Präsident Tanzjury
Nunzia Tirelli, Jurymitglied