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Veröffentlicht am 24. September 2026

Michèle Gurtner

Schweizer Grand Prix Darstellende Künste / Hans-Reinhart-Ring 2026

Michèle Gurtner (BE/GE, *1972) ist Schauspielerin und Performerin. Ihre Ausbildung absolvierte sie an der Scuola Teatro Dimitri (heute Accademia Dimitri) im Tessin. Auf der Bühne beteiligt sie sich an Projekten zu zeitgenössischen Texten, aber auch an Neuinterpretationen klassischer Werke und an choreografischen Stücken. Ihre Arbeit stützt sich auf eine genaue Recherche zu Körper und Stimme und entfaltet sich in einem pluridisziplinären Ansatz, in dem Theater, Performance und Bewegung in den Dialog treten. Michèle Gurtner wirkt an kollektiven Kreationen mit, in denen Spiel und Experiment die Konventionen des Darstellens ins Wanken bringen.

Michèle Gurtner hat die Compagnie Gloria Rigole mitgegründet und mit ihr zwischen 1997 und 2004 eine kollektive Arbeit aufgebaut. Anschliessend arbeitete sie während sieben Jahren mit Oscar Gómez Mata in der Compagnie L’Alakran und setzte mehrere Stücke um, die im In- und Ausland gezeigt wurden. Darunter sind «Epiphaneïa» (2006), «Construis ta Jeep» (2006) und «Kaïros, sisyphes et zombies» (2008) zu erwähnen. Michèle Gurtner engagiert sich in verschiedenen Genfer Kollektiven, insbesondere dem Théâtre Le Poche und dem Théâtre du Grütli (heute Scènes du Grütli). Dort beteiligte sie sich 2008 am «Labo d’Enfer», einem einjährigen Forschungsprojekt rund um Dante Alighieris «Inferno», das gemeinsam mit Bühnenkünstlerinnen und -künstler wie Maya Bösch und Pascal Rambert durchgeführt wurde.

Sie arbeitet zudem mit weiteren Persönlichkeiten der Schweizer Tanz- und Theater-Szene zusammen, etwa mit Marco Berrettini, Foofwa d’Imobilité, Barbara Schlittler, Christian Geoffroy Schlittler und Sébastien Grosset. Zu ihren jüngeren Kooperationen zählt jene mit Louis Bonard für ein Diptychon über die Mittelalterrezeption, bestehend aus den Stücken «Les Voüéces» (uraufgeführt im Mai 2026 am Théâtre Vidy-Lausanne) und «Fantaisies guérillères», eine Adaption des gleichnahmigen Romans von Guillaume Lebrun (Uraufführung 2027).

Zusammen mit Tiphanie Bovay-Klameth und François Gremaud hat Michèle Gurtner 2009 das Kollektiv GREMAUD/GURTNER/BOVAY ins Leben gerufen. Die drei Kunstschaffenden entwickeln Produktionen in unterschiedlicher Ausgestaltung (Stücke, Performances, Filme, Ausstellungen usw.) sowie ein Repertoire aus kurzen und langen Arbeiten, die aus der Transkription eigener Improvisationen in Partiturform entstehen. Das Kollektiv hat mehr als zehn Stücke zur Aufführung gebracht, darunter «Récital» (2011), «Les Potiers» (2015), «Pièce» (2019) und «La Magnificité» (2024).

Parallel dazu ist Michèle Gurtner in Frankreich als Darstellerin tätig. Sie arbeitet mit Vincent Thomasset, Tommy Milliot, Maxime Kurvers, dem Kollektiv Grand Magasin, Hortense Belhôte und Thibaud Croisy sowie mit Philippe Quesne zusammen, mit dem sie in «Farm Fatale» (2023) international auf Tournee ging. Auch mit dem Regisseur, Puppenspieler und Performer Jonathan Capdevielle verbindet sie eine regelmässige Zusammenarbeit. Sie spielt in seinen Stücken «À nous deux maintenant» (2017), «Cabaret Apocalypse» (2017), «Rémi» (seit 2021) sowie «Caligula» (2023) nach einem Text von Albert Camus. Zurzeit entwickelt Michèle Gurnter mit Capdevielle das Solo «Guignola» (Uraufführung 2027).