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Hilar Stadler

«Archive sind die ‹Trostorte› der armen Museen.»

«Mal sind wir ein Kunstmuseum, mal ein Fotomuseum oder ein hardcore Brauchtumsmuseum. Wir erfinden uns von Ausstellung zu Ausstellung neu.»

«Ich habe mich von Anfang an geweigert, Kunst einfach aus dem Atelier zu holen. Die Werke sollen auf den Raum antworten.»

Erfinder des zeitgenössischen Heimatmuseums

In der ehemaligen Fabrikantenvilla Florida inmitten eines Parks in Kriens befin­ det sich eine Institution, die seit Jahrzehnten die Schweizer Museumsland­ schaft prägt: das Museum im Bellpark. Die Identität dieses Ortes ist untrennbar mit Hilar Stadler verbunden, der das Haus seit 1996 leitet. Unter seiner Ägide hat sich das Museum als Zentrum etabliert, das lokale Geschichte ebenso selbstverständlich verhandelt wie internationale Positionen der Kunst, Foto­ grafie und Architektur.

Hilar Stadler (*1963 in Luzern) dessen biografische Wurzeln in Goldau und Kriens liegen, startete mit einem pädagogischen Weg und erwarb das Primarlehrerdiplom am Seminar Luzern. Doch das Interesse an der Gestaltung und den Bildern liess ihn nicht los: Nach dem Vorkurs an der Schule für Ge­ staltung in Luzern absolvierte er ein Studium der Kunstgeschichte und Filmwis­ senschaft an der Universität Zürich, das er 1995 mit dem Lizenziat abschloss. Diese akademische Vertiefung verband er früh mit praktischer Arbeit: als Aus­ hilfsoperateur in Luzerner Kinos, als wissenschaftlicher Mitarbeiter im Auktions­ haus Galerie Fischer und als Redaktionsmitarbeiter beim Kunstbulletin in Zürich, wo er seinen Blick für das zeitgenössische Kunstschaffen schärfte.

Stadlers kuratorischer Ansatz prägt seinen unkonventionellen Zugriff.Er wagt den Blick auf das scheinbar Alltägliche und setzt historische Fundstücke in zeitgenössische Bezüge. So entstanden Ausstellungen über die Autobahn, über Bunker, Hütten und Baracken oder über den Verein als Zukunftsmodell. Gleichzeitig öffnet Stadler den Blick weit über das Lokale hinaus. Mit der Aus­ stellung und Publikation Las Vegas Studio – basierend auf dem Archiv von Venturi Scott Brown – leistete er einen international beachteten Beitrag zur Er­ forschung suburbaner Räume. Wegweisend für das Profil des Hauses waren zudem kulturhistorische Setzungen wie die erste umfassende Schau des Ballon­ pioniers und Fotografen Eduard Spelterini oder die Ausstellung 2-Takt zur Schweizer Mofa­Kultur (2005), die zusammen mit Filip Erzinger, dem langjähri­ gen Grafiker der Bellpark­Plakate, entstand. Ebenso prägend war die dichte Abfolge künstlerischer Positionen: von Jean­Frédéric Schnyders Ausstellung 2012 über die ortsspezifische Intervention Magie des Alltäglichen von Lutz und Guggisberg (2014) bis hin zu Frankfurt Freakout von Kaspar Müller (2016). Die internationale Ausstrahlung unterstreichen Projekte wie die Retrospektive der Fotografin Sabine Weiss (2016), Zusammen zeichnen mit Hans Ulrich Obrist (2022) oder die multimediale Installation Kim Gordon for Design Office (2022). Jüngst erweiterte Tina Braegger mit ihren Bärenbildern (One Million Bears, 2025) diesen Reigen.

Charakteristisch für Stadlers Arbeitsweise sind die enge Kollaboration und der interdisziplinäre Austausch. Seine Projekte entstehen oft in langjährigen Partnerschaften: Die Zusammenarbeit mit Franz Bucher und Gerold Kunz für die Expo.02 oder mit Andreas Hertach beim Projekt PHOTOsuisse (2005) zeugt von einem Verständnis des Kuratierens als kollektivem Prozess. Diesem Ansatz folgte auch die Ausstellung The Architecture of Hedonism, die er 2014 ge­ meinsam mit Martino Stierli und Nils Nova an der Architekturbiennale Venedig realisierte. Das Museum im Bellpark ist heute ein Ort, an dem sich gesell­ schaftliche Fragestellungen und künstlerische Forschung synergetisch verbin­ den – ein Verdienst von Hilar Stadlers beständigem und eigensinnigem Wirken.