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Veröffentlicht am 28. Mai 2020

Awarded

Emilie Meldem

Frauenkollektionen 'Dumbalicious', 2008, 'I feel bling bling' und 'Mes amis les habits' 2005, 2007
(Diplomarbeit)

Modedesign

Jurybericht

Schön und dumm
Emi­lie Mel­dem wurde für ihre Di­plom­kol­lek­ti­on 'Dum­ba­li­cious' (2008) sowie zwei wei­te­re Ar­bei­ten 'I feel bling bling' und 'Mes amis les ha­b­its' (2005, 2007) aus­ge­zeich­net. Ihre Prä­sen­ta­ti­on ist her­aus­ra­gend und um­fas­send. Klei­der, Look­books und Video er­gän­zen sich aufs beste und er­zeu­gen eine Stim­mung, wel­cher man sich nur schwer ent­zie­hen kann: Eine Art Un­be­schwert­heit, ge­paart mit kind­li­cher Freu­de und Über­mut, die aber auch immer wie­der ge­bro­chen, re­spek­ti­ve iro­ni­siert wird. Im Video wird die­ses Le­bens­ge­fühl zu­sätz­lich mit Musik hin­ter­legt. Die Look­books sind sehr sorg­fäl­tig und mit Liebe zum De­tail ge­stal­tet. Zum Teil ent­hal­ten sie Il­lus­tra­tio­nen, wel­che den Im­pe­tus der Klei­der noch ver­stär­ken und her­vor­he­ben.
'Dum­ba­li­cious', so der Name der Kol­lek­ti­on, spielt – wie die bei­den an­de­ren Ar­bei­ten auch – mit den Kli­schees, die oft­mals den Blick un­se­rer Ge­sell­schaft be­stim­men. Wie Emi­lie Mel­dem selbst sagt, brauch­te sie als so­ge­nannt naive Aus­gangs­la­ge das Kli­schee der 'Frau, die dumm und schön zu sein hat und heim­lich schlau bleibt, um die Leute zu ma­ni­pu­lie­ren'. Ihre Kol­lek­ti­on spielt mit die­ser fik­ti­ven Frau­en­rol­le und bricht, kri­ti­siert und iro­ni­siert sie lau­fend. Das Spiel mit der Dop­pel­bö­dig­keit, mit Nähe und Dis­tanz, ge­lingt ihr. Die Kol­lek­ti­on (Röcke, Ober­tei­le, Klei­der, Hot­pants, Man­tel­ja­cke und Ohr­schmuck u.a.) ist auf A- und U-For­men auf­ge­baut und die Stü­cke sind aus Jer­sey, Po­ly­es­ter, Sa­tin­po­ly­es­ter, Satin, Baum­wol­le oder Wolle ge­fer­tigt. Den meis­ten ge­mein­sam sind ty­pi­sche klas­si­sche De­ko­ra­tio­nen wie Po­sa­men­te und Sti­cke­rei­en. Die Po­sa­men­te sind aus ge­strick­ten Bän­dern her­ge­stellt und auf die Klei­der ge­stickt. Emi­lie Mel­dem spielt mit der Tech­nik und lässt die De­ko­ra­tio­nen so ge­wollt 'bil­lig' und mit den von ihr aus­ge­wähl­ten Mo­ti­ven auch 'nai­ver' wir­ken. Viele Klei­dungs­stü­cke haben la­ser­ge­cut­te­te Bor­dü­ren, die wie Sche­ren­schnit­te, manch­mal wie Rü­schen wir­ken, oder sie braucht an­de­re ge­laser­te For­men, wel­che ap­pli­ziert oder als in­te­gra­ler Be­stand­teil des Klei­des ver­wen­det wer­den. Diese For­men spre­chen iro­ni­sche Bände. Wir sehen Nu­del­höl­zer, Spei­se­eis, Blu­men, Dia­man­ten, Schlag­sah­ne. Das süsse Leben eben.
Den Ar­bei­ten ge­mein­sam ist ein Stil, bei wel­chem Mode, Musik und Gra­fik sich kon­ge­ni­al er­gän­zen und mi­schen. Emi­lie Mel­dem ge­lingt es, dar­aus eine Art von Le­bens­ge­fühl zu ex­tra­hie­ren, das sich in sei­nen bes­ten Mo­men­ten nach 'Lost in Trans­la­ti­on' an­fühlt.
Pa­tri­zia Cri­vel­li

Biografie

Emilie Meldem
Geboren
1983
Ausbildung
Modedesignerin