Jan-Tschichold-Preis

'Fluoreszierende Nebelmeere'
'Fluoreszierende Nebelmeere'
© Körner Union, Lausanne

Elektrosmog: Valentin Hindermann & Marco Walser

Jan-Tschichold-Preis 2005

Bereits während ihrer Ausbildungszeit (1994-1998) an der Hochschule für Gestaltung und Kunst in Zürich (HGKZ) haben Valentin Hindermann (1966) und Marco Walser (1973) erste eigene Projekte im Bereich der grafischen Gestaltung realisiert. Nach dem Abschluss ihrer Ausbildung gründeten sie ihr gemeinsames Atelier mit dem Namen Elektrosmog. Aufträge in den Bereichen Bildende Kunst und Design prägen ihre Arbeiten. Ein wichtiges Projekt in der Geschichte von Elektrosmog, bei dem die beiden Gestalter Erfahrungen mit Heftformaten machen konnten, bildete das Redesign des Kunstmagazins material des Migros Museums in Zürich. Jede der von Elektrosmog gestalteten drei Ausgaben dieser Publikation zur internationalen zeitgenössischen Kunst zeichnet sich durch eine innovative Verwendung des Bildmaterials aus; die Gestalter wagten Experimente im Bereich der Schrift, welche die mittlerweile leider eingestellte Zeitschrift zu einer Fundgrube kreativen Reichtums werden liessen.

Mit Argovian Sun, einem Buch, das dem Werk von Andreas Dobler gewidmet ist, präsentierte Elektrosmog 2002 erstmals ein Künstlerbuch. Patrick Frey, engagierter Verleger zahlreicher Kunstpublikationen, gab den Auftrag zu diesem Vorhaben. Argovian Sun, in dem Texte, Zeitungsausschnitte, Fotos und Bilder Doblers vereint sind, bot Elektrosmog die Gelegenheit, das reiche, inspirative Material aus Doblers Archiven einzubeziehen und gleichwertig zu behandeln wie die fertigen Tableaux des Künstlers. Ein Jahr später wurde das von Elektrosmog gestaltete Buch Supercritical Fluids, welches das bildnerische Werk des Malers Hanspeter Hofmann vorstellt, im Wettbewerb prämiert. Gleichzeitig wurde es mit dem Prädikat ausgezeichnet. In diesem zweiten Künstlerbuch ist es gelungen, trotz kleiner Bildformate das überaus reiche und subtile künstlerische Werk Hofmanns vorzustellen. Doblers und Hofmanns Oeuvres wurden beide im Kunsthaus Glarus ausgestellt, dessen grafischen Auftritt Elektrosmog seit mehreren Jahren trotz beschränkter finanzieller Mittel in überzeugender Weise in vielen Variationen betreut.

Im Rahmen eines Wettbewerbs konnte Elektrosmog der Designförderung des Bundesamtes für Kultur (BAK) zu einem neuen, variablen Konzept der Informationsvermittlung verhelfen: Elektrosmog entwickelte ein System von transparenten Plastikmappen, die je nach Fördergebiet farblich und textlich anders gestaltet und dennoch als Gesamtsystem erkennbar sind. Die durchsichtigen Mappen beinhalten die jeweils aktualisierten Reglemente und Wegleitungen, die auch von anderen Gestaltern grafisch betreut werden. Im Zuge der Zusammenarbeit mit dem BAK konnte Elektrosmog im Weiteren das gestalterische Konzept einer neu geschaffenen Publikation im Designbereich entwickeln und in drei aufeinander folgenden Jahren das Jahrbuch des realisieren. Zweimal hintereinander (2003 und 2004) wurde der Katalog beim Wettbewerb prämiert. Dreimal im selben Format gestaltet, galt es, den theoretischen und den Katalog-Teil nach unterschiedlichen Kriterien zu behandeln. Im Zentrum der Bände mit dem Titel Swiss Design stehen die von jungen Designerinnen und Designern entwickelten Produkte, denen jedes Mal mit anderen gestalterischen Mitteln und mit unterschiedlichen Fotokonzepten ein Auftritt ermöglicht wird.

Ebenfalls prämiert wurde das von Elektrosmog im Jahr 2004 gestaltete Buch zum zwanzigjährigen Jubiläum der renommierten Kunstzeitschrift Parkett. Die Geschichte und Bedeutung dieser wichtigen, internationalen Zeitschrift vermochten die beiden Gestalter aufwitzige und gleichzeitig informative Weise dicht zu gestalten. Elektrosmog gelingt es, auch ausserhalb des Bereichs der Buchgestaltung unterschiedliche grafische Spielformen in Einklang zu bringen. Die grafische Sprache von Elektrosmog ist für neue Lösungen stets offen. Die beiden Gestalter versuchen, Projekte dem gestellten Themenstoff entsprechend neu zu entwickeln, sich von Aufgabe zu Aufgabe neu auf ein Gebiet oder auf das Werk eines Künstlers einzulassen und einzustimmen.

Die Jury ehrt mit dem Jan-Tschichold-Preis ein Gestalterteam, das sich seit einigen Jahren mit diversen aussergewöhnlichen Buchprojekten bemerkbar gemacht hat. Elektrosmog zeichnet sich insbesondere durch eine äusserst vielseitige, undogmatische Sprache in der jeweiligen grafischen Realisierung aus.